Und die Welt steht still … Letzte Lieder und Geschichten aus dem Hospiz 31. Oktober 2019

Nicht gerade das nächst liegende Thema, das einem als Abteilungsleiter Standard/Latein einfallen würde.    Tanzen in der Kirche?   Auf Lieder, die sich Menschen in ihrer letzten Lebensphase gewünscht hatten? Es dauerte eine Zeit, bis ich mich an den Gedanken gewöhnt hatte, dass acht unserer Paare einen Walzer von Franz von Lehar auf der Bühne vor dem Altar und zwischen den Bänken der St. Lukas Kirche gestalten sollten. Dazu kam, dass weitere vier Paare auf „Schickeria“ der Münchner Spider Murphy Gang Boogie mit Akrobatik tanzen sollten – live gespielt von einer Band in Originalgeschwindigkeit auf volle Länge! Beim großen Finale der Abendveranstaltung sollte das Publikum zu einem Disco Freestyle tanzend miteinbezogen werden.

Weil vor zwei Jahren bei der gleichen Veranstaltung die Kirche wegen Überfüllung geschlossen werden musste, hatten sich die Veranstalter – der Christophorus Hospiz Verein München e.V. und der künstlerische Leiter Stefan Weiller – entschieden, eine Vorstellung am Nachmittag und eine am Abend anzubieten. Für alle Mitwirkenden eine echte Herausforderung, da am Vorabend und mittags noch Generalproben angesetzt waren. Manche der Tänzer mussten Urlaub nehmen oder „umschichten“. Schnell war klar, dass wir die Unterstützung anderer Vereine brauchten. Glücklicherweise hatten jeweils zwei Paare der Boogie-Bären und des Rock´n´Roll Studios München Zeit und Lust zu kommen.

 

Bei der Generalprobe am Vorabend lernten wir die Musiker der Band und des Orchesters sowie die Opernsänger kennen. Herr Weiller erläuterte seine Ideen, ließ uns aber bei der Ausführung völlig freie Hand. Anschließend waren wir zur Stärkung ins Gemeindehaus zum Abendessen eingeladen.

Am nächsten Tag fand ab 12.30 Uhr die Durchlaufprobe in Echtzeit statt, an der Gaby und Bernhard und die inzwischen aus Böblingen angereisten Disco Fox Profis und Trainer Gabrijela und Stefan teilnahmen. Hut ab vor der Moderatorin Marianne Sägebrecht, die alle Durchläufe komplett selbst durch machte.

Parkettprobe für Hebungen

Während sich die Paare in der Sakristei für die Auftritte umzogen, füllte sich die Lukas Kirche bis auf den letzten Platz. Herr Heller vom CHV organisierte Stühle, damit die Tänzer und die Mitglieder des Chors nicht die ganze Zeit stehen mussten.

Die erste Einlage war der Boogie auf „Schickeria“, das sich eine Dame gewünscht hatte, die sich immer in München fühlte, wenn sie das Lied hörte, auch wenn sie in Köln oder Hamburg war. Die Überraschung war dem Publikum deutlich anzusehen, als zu den ersten Takten aus allen Richtungen Paare auf die freien Flächen liefen und zu tanzen begannen. Aber nach und nach klatschten immer mehr Besucher mit und ließen sich von den flotten Figuren und den  schwingenden Röcken der Damen mitreißen.

Martin und Doris Weiß vom SV Laim

beim Boogie auf „Schickeria“ am Nachmittag

Der Walzer „Wenn Lippen schweigen“ ist schon allein für sich eine emotionale Sache. Zusammen mit der Geschichte eines Ehepaares, die der männliche Moderator Christoph Maria Herbst launisch, aber gefühlvoll vortrug, war die Stimmung so ergreifend, dass sich mancher im Publikum die Tränen aus den Augen wischte. 

Das große Finale der Abendveranstaltung war „Cheerleader“. Erst stand das Publi-kum und klatschte, ließ sich aber schnell auf das ungewohnte Parkett verführen.

Die mitwirkenden Musiker, Sänger, Tänzer und Techniker wurden anschließend von Herrn Heller in das Augustiner zum Essen eingeladen, wo sich Adrenalin und Emotionen bei den Gesprächen langsam abbauten. Der Abend blieb allen Tänzern noch eine ganze Zeit in Erinnerung und so mancher Song oder Satz schwebt immer wieder in Gedanken vorüber.

Text: Elisabeth Ruschenburg, SV Laim

 

Vom RRC waren mit dabei: 

Elisabeth und Harald
Angelika und Gerhard
Gabrijela und Stefan